S. Johannsmeier

Respec - Refraktionsbestimmung mittels Speckle-Muster in der Augenheilkunde

F.O.M.-Konferenz
04. November
online
2020
Type: Konferenzbeitrag
Abstract
In Deutschland werden jährlich knapp 13 Mio. Korrektionsbrillen zum Ausgleich einer Fehlsichtigkeit verkauft (Stand 2019). In der Regel erfolgt vor einem solchen Verkauf eine quantitative Untersuchung des Sehvermögens des Patienten. Die entsprechende Korrektur setzt sich dabei aus den drei Werten einer Sphäre, eines Zylinders und einer Vorzugsrichtung des Zylinders (Achslage) zusammen, die in Brillenverordnungen auch häufig als Sphäre und Astigmatismus aufgelistet sind. Insbesondere bei Patienten mit komplexen Sehfehlern sowie bei Kindern wird die Sehfehlerbestimmung, die sogenannte Refraktionsbestimmung, oft zu einem längeren Prozess, der unter anderem durch Ermüdungseffekte, Blutzuckerschwankungen und die Compliance (Therapietreue) negativ beeinflusst werden kann. Im vorliegenden Projekt soll ein innovatives und effizientes Verfahren zur Refraktionsbestimmung entwickelt und auf die grundsätzliche Machbarkeit und Praxisfähigkeit untersucht werden. Bei der neuartigen, subjektiven Messmethode soll die Bestimmung der Fehlsichtigkeit mittels der Aussage über die Bewegungsrichtung eines mit Hilfe von Laserlicht erzeugten Speckle-Musters, welches sich für Hyper- und Myopie entgegengesetzt bewegt, erfolgen. Das Verfahren basiert auf der Nutzung dispersiver Effekte des Auges und benötigt keine Beurteilung der Schärfe von Abbildungen. Die bestmögliche Korrektur wird hier allein über die Angabe einer Bewegungsrichtung bzw. deren Änderung bestimmt. Dazu sollen zwei sich bewegende lasergenerierte Muster verschiedener Farben, sogenannte Speckle-Muster, in den nicht-akkommodierten Nahbereich des Patienten gebracht werden, während dieser in die Ferne akkommodiert. Die relative Bewegungsrichtung beider Speckle-Muster hängt dabei von der individuellen Fehlsichtigkeit des Patienten ab. Mit einem üblichen Phoropter soll nun die Refraktion so lange geändert werden, bis die beiden verschiedenfarbigen Muster in unterschiedliche Richtungen laufen. Das ist genau dann der Fall, wenn die natürliche Dispersion des Auges den Refraktionsfehler überwiegt. Der Refraktionierungsprozess wird mit diesem Verfahren deutlich beschleunigt. Die Untersuchung wird demnach angenehmer für den Patienten und vor allem bei Kleinkindern leichter umsetzbar. Die Methode ist unempfindlich gegenüber Ermüdungseffekten und unabhängig von Seheinschränkungen durch Vorerkrankungen der Hornhaut oder Benetzungsstörungen. Auch ein Astigmatismus lässt sich so messen, sodass eine Fehlsichtigkeit in Zukunft ausschließlich über die Beurteilung einer Bewegungsrichtung auf 0,25 dpt genau bestimmt werden könnte. Vorteilhaft wäre die Anwendung vor allem bei Kindern. Die langwierige Skiaskopie in Zykloplegie ist bei der Refraktionsbestimmung der sogenannte Goldstandard der möglichen Untersuchungsmethoden. Aufgrund der langen Untersuchungsdauer verweigern Kinder oftmals die Bereitschaft, jemanden ins Auge sehen zu lassen oder still zu sitzen. Durch die Reduktion auf die Beurteilung einer Bewegung ohne die Notwendigkeit einer Eintropfuntersuchung hätte diese Methode enorme Vorteile und der Gesamtprozess würde sich deutlich vereinfachen. Um besonders klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich der ophthalmologischen Diagnostik den risikobehafteten, zeit- und ressourcenintensiven Prozess der Entwicklung eines neuen Medizinprodukts zu erleichtern, setzt sich das vorliegende Projekt zum Ziel, ein Funktionsmuster zu etablieren. Damit soll die direkte Anwendbarkeit vor allem in Augenarztpraxen und Augenoptik-Fachgeschäften gezeigt und im letzten Projektdrittel Erfahrungen und Daten im praktischen Einsatz gesammelt werden. Die Anwender könnten insbesondere von dem neuen Produkt durch schnellere Messungen, zufriedenere Kunden und höhere Sicherheit der Ergebnisse bei schwierigen Refraktionsmessungen profitieren.