Sichere Glascontainer für chemische Abfälle durch Laserschweißen

Lasergeschweißte Glasbehälter eignen sich für die sichere Lagerung von Gefahrstoffen. Das Verfahren hat ein hohes Potential zur Automatisierung. (Foto: LZH)
Lasergeschweißte Glasbehälter eignen sich für die sichere Lagerung von Gefahrstoffen. Das Verfahren hat ein hohes Potential zur Automatisierung. (Foto: LZH)
10.07.2026
Pressemitteilung

Mit dem wachsenden Einsatz von Elektrofahrzeugen steigt auch die Menge an Batteriematerialien und Industrieabfällen, die sicher gelagert werden müssen. Wissenschaftler:innen des LZH haben im Projekt LasGlaReLa dafür ein laserbasiertes Verfahren entwickelt. 

Mit zunehmender Elektromobilität wächst auch der Bedarf nach sicherer und dauerhafter Lagerung von Batteriematerialien und chemischen Industrieabfällen. Bestimmte Abfälle erfordern die Endlagerung in sogenannten Kategorie-IV-Deponien, die besonders hohe Anforderungen an Behälter stellen. Diese müssen Umweltschutz, sichere Handhabung und Langzeitstabilität gleichermaßen gewährleisten. Glas ist dafür ein vielversprechender Werkstoff: Es ist außergewöhnlich chemisch inert, reagiert also kaum mit anderen Stoffen, und eignet sich daher als dickwandiger Glascontainer besonders gut für die dauerhafte Einschließung gefährlicher Materialien. Besonders interessant sind Glascontainer auch für mögliche neue Recyclingmethoden der Zukunft. Die eingelagerten Reststoffe reagieren nicht mit den Containern und können aus diesen einfach zurückgewonnen werden.  

Bisher werden diese Glascontainer hauptsächlich über thermische Gasverfahren hergestellt. Unkontrollierter Wärmeeintrag, hohe Eigenspannungen und eingeschränkte Automatisierbarkeit begrenzen diese Verfahren jedoch. Das Laserschweißen dagegen ermöglicht hohe Verarbeitungsgeschwindigkeiten und zeigt ausgezeichnetes Potenzial für die Automatisierung. Hierfür setzten die Forscher:innen einen CO2-Laser als primäre Laserquelle ein. Normalerweise hat dieser bei einer Wellenlänge von 10,6 µm eine geringe optische Eindringtiefe von wenigen Mikrometern. In Kombination mit der niedrigen Wärmeleitfähigkeit von Silikatglas führt dies üblicherweise zu einer unvollständigen Durchschweißung. 

Beim Laserschweißen von Glas bleibt trotz Wärmeeinbringung die mechanische Festigkeit erhalten. (Foto: LZH)
Beim Laserschweißen von Glas bleibt trotz Wärmeeinbringung die mechanische Festigkeit erhalten. (Foto: LZH)

Kontinuierliche Schweißnaht ohne Mikrospalte erreicht 

Wie die Wissenschaftler:innen zeigen konnten, ist es jedoch mit einer einzigen CO2-Laserquelle möglich, beide Schweißpartner gleichzeitig zu erwärmen und so geschlossene Glascontainer herzustellen. Dabei erreichten sie eine kontinuierliche Schweißnaht ohne Mikrospalte oder Hohlräume über die gesamte Dicke des 5 mm dicken Flachglases. Außerdem bleibt trotz der Wärmeeinbringung die mechanische Festigkeit erhalten. Dies zeigten Spannungstests an den Proben nach zweiwöchiger Lagerung. 

Das Verfahren ist einzigartig: Der Deckel sinkt während der Bearbeitung durch die Schwerkraft von alleine auf die richtige Position ein. Komplexe Handling-Systeme oder Spannvorrichtungen werden dadurch überflüssig. Die Wissenschaftler:innen arbeiten nun an einer weiteren Anpassung der Kantengeometrien der Flachgläser. Sie wollen die Reibung während des Schweißprozesses weiter reduzieren und die Bildung von Ausstülpungen und Kerben an der Verbindungsstelle minimieren. 

Über LasGlaReLa 

Das Projekt Neuartige Fertigungstechnologie zur Herstellung laserverschweißter Glashohlkörper zur Reststofflagerung (LasGlaReLa) wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen VN-KK5111715 gefördert. Projektpartner waren die TU Bergakademie Freiberg und die Glasbiegerei Pfaltz e.K. 

Mehr dazu in der Publikation im „Journal of Laser Application“: https://doi.org/10.2351/7.0001941 

Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)
Als unabhängiges gemeinnütziges Forschungsinstitut steht das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) für innovative Forschung, Entwicklung und Beratung. Das durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung geförderte LZH widmet sich der selbstlosen Förderung der angewandten Forschung auf dem Gebiet der Photonik und Lasertechnologie. 1986 gegründet arbeiten inzwischen fast 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am LZH.

Das LZH bietet mit seinen Anwendungen der smarten Photonik Lösungen zu gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen. Dabei arbeiten Naturwissenschaftler:innen und Ingenieur:innen interdisziplinär zusammen entlang der Prozesskette: von der Komponentenentwicklung für spezifische Lasersysteme oder für Quantentechnologien bis hin zu Prozessentwicklungen für die unterschiedlichsten Laseranwendungen, zum Beispiel für die Medizin- und Agrartechnik oder für den Leichtbau im Automobilsektor. 18 erfolgreiche Ausgründungen sind bis heute aus dem LZH hervorgegangen. Das LZH schafft so einen starken Transfer zwischen grundlagenorientierter Wissenschaft, anwendungsnaher Forschung und Industrie – und nutzt Licht für Innovation.