Laserbasierte Entschärfung von Munition unter Wasser

Keine sichtbaren Auswirkungen – bei Entschärfungsversuchen mit dem vom LZH entwickelten Low-Order-Verfahren blieb die Explosion in 5 Metern Wassertiefe unsichtbar. (Foto: LZH)
Keine sichtbaren Auswirkungen – die Entschärfung mit dem vom LZH entwickelten Low-Order-Verfahren in 5 Metern Wassertiefe blieb unsichtbar. (Foto: LZH)
09.04.2026
Pressemitteilung

Rund 1,6 Millionen Tonnen Munition aus den Weltkriegen liegen in Nord- und Ostsee. Die Hüllen korrodieren fortwährend, wodurch zum einen toxische Substanzen ins Meer gelangen und zum anderen die Detonationsgefahr steigt. 

Das LZH hat ein laserbasiertes Verfahren entwickelt, das nicht transportfähige, bezünderte Munition unter Wasser schonender entschärfen kann. Damit sollen zukünftig Tiere und Umwelt geschützt und kostenintensive Schutzmaßnahmen überflüssig werden. 

Bisher eingesetzte Entschärfungsmethoden wie gezielte Sprengungen, so genannte High-Order-Detonationen, können dem Gehör von Meeresbewohnern, zum Beispiel Schweinswalen, schaden und erfordern daher Umweltschutzmaßnahmen. Dazu gehören Blasenschleier, die den Unterwasserschall dämpfen, sowie das Vertreiben der Tiere aus der Gefahrenzone. 

Kerben und kontrolliertes Ausbrennen statt Detonation 

Das vom LZH im Projekt UnLowDet entwickelte Verfahren basiert auf einem zweistufigen Prozess: Zunächst kerben die Wissenschaftler:innen die Kampfmittelhülle mit Laserstrahlung ein, wobei ein Drittel der Wandstärke erhalten bleibt. Anschließend Durchdringen sie das restliche Material ebenfalls mit Laserstrahlung, und lösen so eine Deflagration aus – eine sehr schnelle Verbrennung, auch „Low-Order-Umsetzung" genannt. Der resultierende Überdruck führt zum kontrollierten Aufbrechen der Hülle und verhindert eine High-Order-Detonation und die dazugehörige Schallwelle. Das Verfahren soll Schallbelastung sowie Schäden an der marinen Umwelt deutlich reduzieren.  

Erfolgsversprechende Versuchsergebnisse an Fundmunition 

Bei der konventionellen High-Order-Detonation entstand eine große Wasserfontäne. (Foto: LZH)
Bei der konventionellen High-Order-Detonation entstand eine große Wasserfontäne. (Foto: LZH)

Im Sprengsee der Wehrtechnischen Dienststelle 71 in Elpersbüttel führte das LZH gemeinsam mit seinem Projektpartner LASER on demand GmbH die finalen Tests durch. Dabei validierten die Forschenden erfolgreich die laserbasierte Methode: Sie lösten unter Wasser eine kontrollierte Low-Order-Umsetzung aus – die Hülle brach auf und der Großteil des Sprengstoffes blieb erhalten, statt zu detonieren. Getestet wurde das Verfahren an Sprengkörpern mit 200 g TNT, Fundmunition aus dem Zweiten Weltkrieg (bereitgestellt vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein) sowie Mörsergranaten der Bundeswehr. 

Entscheidend für die Sicherheit: In keinem Fall kam es zum gefährlichen Übergang von Deflagration zur High-Order-Detonation. Das Verfahren ermöglichte kontrollierte Low-Order-Umsetzungen verschiedener Intensität – die Munitionshüllen rissen teilweise oder brachen vollständig auf. 

Mit Schallmessungen konnten die Partner den Nutzen für die Umwelt zeigen: Das laserbasierte Verfahren reduzierte den Unterwasserschall deutlich. Die Wissenschaftler:innen wollen nun in Folgeprojekten ihr Wissen über das Zündverhalten und das Aufbrechen der Hülle weiter vertiefen und das Verfahren auf andere Kampfmittel übertragen. Das Ziel ist dabei, das Verfahren weiter zu optimieren, damit es rasch in die Anwendung kommen kann. Langfristig soll so die Belastung für die Meereswelt reduziert und dabei auf teure Technik wie Blasenschleier verzichtet werden können. 

Über UNLOWDET 

Im Projekt UNLOWDET entwickelten die Partner ein Verfahren zur laserinduzierten, effizienten Entschärfung von Kampfmitteln im Meer. Beteiligt waren neben dem Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) die EGGERS Kampfmittelbergung GmbH und die LASER on demand GmbH. Assoziierte Partner, die das Projekt beraten haben, sind die Feuerwehr Hamburg, das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, die Polizei Bremen, das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, das GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. 

Das Verbundforschungsvorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03SX550B durch den Projektträger Jülich gefördert. Die Projektpartner danken der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) für die Unterstützung bei den Demonstrationsversuchen. 

Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)
Als unabhängiges gemeinnütziges Forschungsinstitut steht das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) für innovative Forschung, Entwicklung und Beratung. Das durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen geförderte LZH widmet sich der selbstlosen Förderung der angewandten Forschung auf dem Gebiet der Photonik und Lasertechnologie. 1986 gegründet arbeiten inzwischen fast 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am LZH. 

Das LZH bietet mit seinen Anwendungen der smarten Photonik Lösungen zu gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen. Dabei arbeiten Naturwissenschaftler:innen und Ingenieur:innen interdisziplinär zusammen entlang der Prozesskette: von der Komponentenentwicklung für spezifische Lasersysteme oder für Quantentechnologien bis hin zu Prozessentwicklungen für die unterschiedlichsten Laseranwendungen, zum Beispiel für die Medizin- und Agrartechnik oder für den Leichtbau im Automobilsektor. 18 erfolgreiche Ausgründungen sind bis heute aus dem LZH hervorgegangen. Das LZH schafft so einen starken Transfer zwischen grundlagenorientierter Wissenschaft, anwendungsnaher Forschung und Industrie – und nutzt Licht für Innovation.