LZH entwickelt Unterwasser-Laser-Verfahren zur Entschärfung von Kampfmitteln im Meer

Wissenschaftler steuert Laser unter Wasser
Das LZH entwickelt gemeinsam mit Projektpartnern ein Verfahren, um Weltkriegsmunition unter Wasser mit dem Laser zu entschärfen. (Foto: LZH)
09.03.2022
Pressemitteilung

Das LZH entwickelt gemeinsam mit Projektpartnern ein Verfahren, um Weltkriegsmunition unter Wasser mit dem Laser zu entschärfen. Das Ziel: dem Ökosystem so wenig wie möglich schaden und dabei Zeit und Kosten sparen.

 

Laserprozess unter Wasser
Mit einer laserinduzierten Entschärfung sollen Kampfmittel sicherer, effizienter und umweltfreundlicher unschädlich gemacht werden. (Foto: LZH)

In der Nord- und Ostsee liegen schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen Kriegsmunition auf dem Meeresgrund. Dabei ist nicht nur die Gefahr unvorhergesehener Detonationen ein Problem. Durch das Wasser korrodiert die Stahlhülle der Kampfmittel mit der Zeit, wodurch der Sprengstoff ins Meer gelangt – mit erheblichen Folgen für Menschen, Tiere und das gesamte Ökosystem. Die Beseitigung der Kampfmittel ist allerdings eine Herausforderung: Sprengungen unter Wasser sind nicht nur gefährlich, sie sorgen auch für erhebliche Druckwellen und beeinträchtigen die Meeresbewohner, die dort leben. Auch kann sich nicht umgesetzter, umweltschädlicher Sprengstoff nach der Detonation im Meer ausbreiten. In dem Projekt UNLOWDET arbeiten Wissenschaftler:innen des LZH gemeinsam mit den Firmen LASER on demand GmbH und EGGERS Kampfmittelbergung GmbH an einer Lösung: Sie forschen daran, wie man Kampfmittel unter Wasser ferngesteuert mit dem Laser entschärfen kann. Damit soll die Auswirkung der Sprengung auf die Umwelt verringert werden.

Laserinduzierte Detonation für effizientere Entschärfung

Aufgeschnittener Blindgänger auf Übungsplatz
Das LZH hat bereits im Projekt DEFLAG ein auf Lasertechnologie beruhendes neues Verfahren zur Entschärfung von Blindgängern an Land entwickelt. (Foto: LZH)

Die Projektpartner knüpfen hierzu am Ansatz einer „Low-Order Entschärfungsverfahren“ an, bei der im Gegensatz zur „High-Order Detonation“ nur ein kleiner Teil des Sprengstoffes umgesetzt wird. In einem ersten Schritt wird mit einem Laserstrahl eine definierte Fuge in das Kampfmittel eingebracht und somit die Hülle geschwächt. Im zweiten Schritt soll dann mit dem Laserstrahl so viel Sprengstoff umgesetzt werden, dass der Zünder herausgelöst und die Zündkette unterbrochen wird. Da die Systemtechnik mit einem Tauchroboter am Kampfmittel positioniert werden soll, kann der Prozess aus der Distanz gesteuert werden.

Dieses Verfahren macht den Prozess des Entschärfens nicht nur sicherer, sondern auch maßgeblich effizienter: Zum Beispiel kann so auf das zeit- und kostenintensive Ausbringen von Blasenschleiern, die bei Sprengungen üblicherweise für den Schallschutz zum Einsatz kommen, verzichtet werden. Gleichzeitig wird das Risiko minimiert, dass sich nach der Detonation nicht umgesetzter Sprengstoff im Meer ausbreitet.


Über UNLOWDET
Im Projekt UNLOWDET entwickeln die Partner ein Verfahren zur laserinduzierten, effizienten Entschärfung von Kampfmitteln im Meer. Beteiligt sind neben dem Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) die EGGERS Kampfmittelbergung GmbH und die LASER on demand GmbH.

Assoziierte Partner, die das Projekt beraten, sind die Feuerwehr Hamburg, das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, die Polizei Bremen, das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, das GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Das Verbundforschungsvorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz unter dem Förderkennzeichen 03SX550B durch den Projektträger Jülich gefördert.