J. Leschke
B. Emde
O. Meier

Neutralisierung von Munitionsaltlasten unter Wasser mit Hilfe eines Laserstrahlkerbprozesses

DVS Berichte, Band: 402
67-72
2025
Type: Zeitschriftenaufsatz (non-reviewed)
Abstract
Kampfmittel, die als Relikte, insbesondere des zweiten Weltkriegs, auf dem Meeresboden liegen, stellen aufgrund von Korrosion und der damit einhergehenden Freigabe von Schadstoffen eine Gefahr für den marinen Lebensraum dar. Nicht zuletzt besteht zudem stetig die Gefahr möglicher Explosionen. Allein in Nord- und Ostsee befinden sich nach Schätzungen 1,6 Millionen Tonnen Kampfmittel, die entweder im Rahmen von Kampfhandlungen oder zur Entsorgung versenkt wurden. Da die Kampfmittel teilweise bezündert sind, werden geeignete Entschärfungsverfahren benötigt, um eine gefahrlose Bergung zu ermöglichen. Ein Ansatz zur Entschärfung besteht in der gezielten Schwächung der Hülle des Objekts und einer nachfolgenden Zündung. Durch die Schwächung erfolgt ein wirkgemindertes „Low-Order-Ereignis“, bei dem im Idealfall nur ein sehr geringer Anteil an Sprengstoff umgesetzt wird. Das Ziel ist hierbei, dass die Hülle des Kampfmittels bei der Zündung entlang der Schwächung aufplatzt, wodurch weniger Energie freigesetzt wird und eine deutliche Reduzierung der Geräuschbelastung und Zerstörung der marinen Umwelt erfolgt. Die Schwächung wird dabei mit Hilfe eines Laserstrahlkerbverfahrens in die Hülle eingebracht. Da durch den Laserstrahlprozess eine berührungslose Bearbeitung erfolgt, wird das Risiko einer versehentlichen Zündung bei der Entschärfung im Vergleich zu mechanischen Verfahren deutlich vermindert. Zudem eignen sich Laserstrahlprozesse besonders gut für automatisierte Aufgaben. In der vorliegenden Arbeit werden Konzepte zur Nutzung des Laserstrahlkerbprozesses unter Wasser mit Einsatz einer koaxialen Düse sowie in Kombination mit einer offaxialen Gasdüse vorgestellt. Unter Laborbedingungen wird zunächst die Generierung von Kerben in 4 und 10 mm starkem Baustahl in einem Wasserbecken mit ca. 0,8 m Wassertiefe erarbeitet. Hierbei wird auch auf die Verwendung unterschiedlicher Schneidgase eingegangen. Abschließend wird der Entschärfungsprozess mit Hilfe von Sprengproben, die mit 200 g TNT gefüllt sind, getestet. Neben dem erfolgreichen Entschärfen der Proben wird bei diesen Validierungsversuchen auch die Einsatzfähigkeit der Systemtechnik außerhalb der Laborbedingungen untersucht.