Laser statt Lesebrille?
08.02.2016

Bild 1: Applizieren von Mikroschnitten in die Linse in einem Stretcher. (Foto: LZH)

Bislang wird Alterssichtigkeit (Presbyopie) meistens mit einer Lesebrille korrigiert. In verschiedenen Ansätzen wird inzwischen auch versucht, diese Form der Fehlsichtigkeit mit dem Laser zu beheben. Jetzt entwickelt das Laser Zen­trum Hannover e.V. (LZH) gemeinsam mit zwei Projektpartnern ein virtuelles Modell, an dem eine besonders schonende, laserbasierte Operationsmethode simuliert werden kann. Bei der sogenannten fs-Lentotomie wird die Augenlinse durch Mikroschnitte mit einem Femtosekundenlaser wieder flexibler gemacht. Ziel des Projekts RayFEye ist, die Ergebnisse der Augen-OP vorhersagbar zu machen.

Die Gruppe Bildgestützte Laserchirurgie der Abteilung Biomedizinische Optik des LZH entwickelt dafür einen Versuchsaufbau, durch den der Einfluss der Mikroschnitte auf die Augenlinse gemessen werden kann. Die Besonderheit des komplexen Aufbaus ist: Er kann die Probenlinse (Tiernebenprodukt) in den gestreckten und ungestreckten Zustand bringen. So lassen sich verschiedene Fokussierungsabstände des Auges simulieren. Die Wissenschaftler messen damit die Veränderungen des Strahlverlaufs (Raytracing) durch die Linse vor und nach dem Einbringen von Mikroschnitten im Auge.

Operation vorab simulieren
Mithilfe der Ergebnisse dieser Versuche sollen Schnittmuster für die operative Korrektur von Alterssichtigkeit eruiert und optimiert werden. Die Schnittmuster und Messergebnisse der Versuche werden nachfolgend in eine Software eingespeist. Diese bildet ein virtuelles Linsenmodell ab, an dem die operative Korrektur im Vorfeld simuliert werden kann.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Operationsmethode, die eine schonende Korrektur der Alterssichtigkeit mit dem Laser ermöglicht. Darüber hinaus soll die Software so weiterentwickelt werden, dass sie direkt in der Medizin angewendet werden kann. Sie soll Operationen vorab simulieren, um die Resultate von Augenkorrekturen zu verbessern.

Neben dem LZH sind die Optimo Medical AG (vormals Integrated Scientific Services AG), die die Software OptimEyesTM entwickeln, und die ROWIAK GmbH als Hersteller des Lasersystems an dem Projekt beteiligt. Gefördert wird das Verbundprojekt „Ray tracing in ophthalmic finite element models for predicting of visual acuity enhancement“ (RayFEye) im Rahmen von Eurostars vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Pressemitteilung zum Download: 

 

Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)

Als unabhängiges gemeinnütziges Forschungsinstitut steht das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) für innovative Forschung, Entwicklung und Beratung. Das durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderte LZH widmet sich der selbstlosen Förderung der angewandten Forschung auf dem Gebiet der Photonik und Lasertechnologie. 1986 gegründet arbeiten inzwischen über 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am LZH.

Der Fokus des LZH liegt auf den Bereichen Optische Komponenten und Systeme, Optische Produktionstechnologien und Biomedizinische Photonik. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern und Maschinenbauern ermöglicht innovative Ansätze für Herausforderungen verschiedenster Bereiche: von der Komponentenentwicklung für spezifische Lasersysteme bis hin zu Prozessentwicklungen für die unterschiedlichsten Laseranwendungen, zum Beispiel für die Medizintechnik oder den Leichtbau im Automobilsektor. 17 Ausgründungen sind bis heute aus dem LZH hervorgegangen. Das LZH schafft so einen starken Transfer zwischen grundlagenorientierter Wissenschaft, anwendungsnaher Forschung und Industrie.