Der Femtosekundenlaser hat eine neue Ära geschaffen

26.08.2010
Prof. Dr. Lubatschowski ist Abteilungsleiter des Bereiches Biomedizinische Optik am Laser Zentrum Hannover und Geschäftsführer der Rowiak GmbH, einem von ihm 2004 aus dem Laser Zentrum ausgegründetem Unternehmen, das Lasergeräte für die Mikrobearbeitung von biologischem Gewebe entwickelt.
 
1. Laser werden in der Medizin seit Jahrzehnten eingesetzt, und es kommen laufend neue Anwendungen hinzu. Was wird erst seit kurzem in der Praxis angewandt?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Eine neue Methode zur Korrektur der Fehlsichtigkeit erprobt derzeit die Firma Carl Zeiss Meditec. Bislang wird in der sogenannten LASIK Methode die Hornhaut des Auges mittels Messer oder Femtosekundenlaser in einer Schicht von ca. 100µm aufgeschnitten. Anschließend modelliert ein Excimerlaser die Oberfläche durch Gewebeabtrag neu, um die Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Das neue Verfahren von Zeiss soll diese Prozedur mit nur einem Femtosekundenlaser in einem Arbeitsschritt schaffen.

Femtosekundenlaser werden auch in Kürze Einzug in die Katarakt-OP (Katarakt = Grauer Star) finden. Bislang hat man mit Ultraschall und einer Hohlnadel die harte und graue Linse im Auge zerkleinert und abgesaugt. Anschließend wird eine Kunstlinse in den Kapselsack der entfernten Linse platziert. Mit dem Femtosekundenlaser soll diese OP sehr viel einfacher, schonender und genauer gelingen. Die Kunstlinse kann später präziser platziert werden. Die Sehfähigkeit des Patienten könnte somit gesteigert werden.
Die Katarakt-OP ist die am häufigsten durchgeführte OP in der ganzen Medizin. Entsprechend hoch ist das Marktpotenzial dieser neuen Methode.
 
2. Der Laser ersetzt ja häufig etablierte Methoden. Welche Therapien werden erst durch den Laser-Einsatz möglich?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Die Korrektur von Fehlsichtigkeiten mittels refraktiver Hornhautchirurgie (LASIK) ist ohne Laser undenkbar.
Diabetiker entwickeln häufig ein vermehrtes Wachstum kleinster Blutgefäße an der Netzhaut. Diese drohen die Sehzellen zu stören. Folge ist eine Erblindung. Mittels Laser können diese Gefäße verödet werden ohne das Auge dabei chirurgisch öffnen zu müssen.
Risse an der Netzhaut können ebenfalls durch thermische Einwirkung verödet werden. Im Volksmund nennt man das Netzhautschweißen. Tatsächlich erzeugt man mit dem Laser aber kontrolliert eine Narbe, die die sich ablösende Netzhaut umschließt.
Nach einer Grauen-Star-OP (Katarakt) kann in vielen Fällen die hintere Linsenkapsel eintrüben. Der Patient sieht nicht mehr richtig. Mit einem gepulsten Laser kann man diese Trübung „wegschießen“. Auch hier bleibt das Skalpell in der Schublade.
 
3. Nd:YAG- und CO2-Laser werden seit langem in der Medizin eingesetzt. Werden sie in Zukunft zumindest einzelnen Bereichen von günstigeren Dioden-Lasern abgelöst?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Auch der Diodenlaser ist in zahlreichen Einsatzgebieten bereits Standard. Zum Teil hat der auch den Nd:YAG abgelöst, in anderen Fällen neue Anwendungen geschaffen. Der CO2 hat noch keine richtige Alternative gefunden. In einigen Anwendungen wird er durch den Er:YAG-Laser ersetzt.
 
4. Brauchen Ärzte eine Zusatzausbildung, wenn sie Laser einsetzen?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Nein, meist reicht die Einweisung des Herstellers wie dies auch bei anderen medizinischen Geräten erfolgt. In der Ophthalmologie, insbesondere in der refraktiven Chirurgie, gibt es aber Verbände, die eine zusätzliche Ausbildung fordern und die meisten Chirurgen halten sich auch dran.
 
5. Was haben so genannte Softlaser für den Heimgebrauch mit einem Medizin-Laser zu tun?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Der Laser hat oft den Nimbus etwas Besonderes zu sein. Folglich unterstützt er auch den Placebo-Effekt. Meiner persönlichen Meinung nach, ist dies der einzige Effekt, den man mit einem solchen Laser erzielen kann.
 
6. Welches sind die interessantesten, zukünftigen Anwendungen in der Laser-Medizin?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Der Femtosekundenlaser hat in der Ophthalmologie eine neue Ära geschaffen. Nach schier unglaublichen Erfolgen in der Hornhautchirurgie findet er nun wahrscheinlich Einzug in die Katarakt-Chirurgie.
Ich kann mir gut vorstellen, dass in Zukunft dieser Laser auch die Altersichtigkeit behandeln könnte, indem er die hart gewordene Linse wieder aufweicht. Das wäre ein riesiger Markt, wenn man bedenkt, dass jeder Mensch jenseits der 45 beginnt, altersichtig zu werden.
 
7. Sie sind neben ihrer Tätigkeit im LZH auch Geschäftsführer des Spinoffs Rowiak. Was genau macht Rowiak?

Prof. Dr. Holger Lubatschowski: Die Rowiak GmbH habe ich 2003 gegründet. Sie entwickelt und produziert innovative Lasersysteme für die nicht-invasive Bearbeitung von biologischen Geweben und Zellen sowie Materialien zur Anwendung in der Laserchirurgie. Eingesetzt werden unsere Lasergeräte vor allem in den Laboren von Medizin und Pharma, in der Biotechnologie und Genetik oder in der Zell- und Molekularbiologie.
In jüngster Zeit arbeiten wir gemeinsam mit dem LZH an einem Prototypen zu Korrektur der Altersichtigkeit.