Mit Laser und optischer Kohärenztomographie zielsicher am Auge operieren
21.09.2015

Bild 1: 3D-OCT Projektion eines fs-Laser-Membranschnitts (symbolischer Laserfokus in rot). Die Membran (blau) hat einen Abstand von 300 µm zur präparierten Schweinenetzhaut (braun). OCT Einzelschnittbilder aus der Mitte zeigen die Geometrie. Grafik: LZH

Zur Korrektur von Fehlsichtigkeit sind diverse Laser-basierte Operationen heutzutage etabliert. Um diese gewebeschonende und hochpräzise Methode auch auf die Altersweitsichtigkeit und Verwachsungen der Netzhaut auszuweiten, kombinierte das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) zusammen mit vier Partnern im Projekt IKARUS Femtosekunden-Lasertechnologie mit der optischen Kohärenztomographie (OCT) und adaptiver Optik.

Bei der etablierten Femtosekunden-Laser-in-situ-Keratomileusis (fs-LASIK), wird mit dem Laser die Augenhornhaut aufgeschnitten, um anschließend Fehlsichtigkeiten zur korrigieren. Um Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) zu behandeln, muss tiefer in das Gewebe vorgedrungen werden: In dem Ansatz der Wissenschaftler des LZH und der Industriepartner wird die Linse mit einem fs-Laser gezielt geschnitten, um sie durch Gleitebenen flexibler zu machen.

Augenlinse ohne Schäden mit dem Laser schneiden
Möglich wird dieser Eingriff erst durch die tiefe und ausreichend genaue Visualisierung des Augengewebes. Dazu hat die Gruppe Bildgestützte Laserchirurgie der Abteilung Biomedizinische Optik des LZH ein OCT-Bildgebungsmodul der ROWIAK GmbH weiterentwickelt. So ist es nun möglich, mit einer speziellen Software während der Operation live Schnittbilder des Auges und die Strahlführung des Lasers darzustellen. Damit konnten im Rahmen des Projekts bereits Schnitte am Auge durchgeführt werden, so dass weder die vordere noch die hintere Kapsel der Augenlinse verletzt wurde. In einer laufenden klinischen Studie der ROWIAK GmbH wird dieses Verfahren nun weiter untersucht.

Netzhautverwachsungen ablösen, ohne das Auge zu öffnen
Um Netzhautverwachsungen zu lösen, muss zurzeit das Auge geöffnet und der Glaskörper entfernt werden. Die Wissenschaftler am LZH haben in ein fs-Laser System eine adaptive Optik integriert, die es ermöglichen soll, auch in der Nähe der Netzhaut zu schneiden. So wurden bereits erste Erfolge an Netzhautgewebe aus Schweineaugen verzeichnet: Mit dem System konnten Modell-Membranen im Abstand von nur wenigen hundert Mikrometern zur Netzhaut zerschnitten werden. Das dahinter liegende Netzhautgewebe zeigte dabei keine erkennbare Schädigung.

Am Projekt Innovative Katarakt-, Altersweitsichtigkeits- und Retinabehandlung mittels UltraSchnellem Laser (IKARUS) waren neben dem LZH und der ROWIAK GmbH (Hannover) als Systemhersteller, die Firmen QIOPTIQ Photonics GmbH & Co. KG (Göttingen) als Optikentwickler, ARGES GmbH (Wackersdorf) für die Laserscanverfahren und das Laserforum Köln e.V. (Köln) für die klinische Beratung und die Vermessung der Augen beteiligt. Gefördert wurde IKARUS im Rahmen der Förderinitiative „Ultrakurzpulslaser für die hochpräzise Bearbeitungvom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Zu der Pressemitteilung gibt es ein Bild.

Bildunterschrift Bild 1: 3D-OCT Projektion eines fs-Laser-Membranschnitts (symbolischer Laserfokus in rot). Die Membran (blau) hat einen Abstand von 300 µm zur präparierten Schweinenetzhaut (braun). OCT Einzelschnittbilder aus der Mitte zeigen die Geometrie. Grafik: LZH

 

 

Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)

Als unabhängiges gemeinnütziges Forschungsinstitut steht das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) für innovative Forschung, Entwicklung und Beratung. Das durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderte LZH widmet sich der selbstlosen Förderung der angewandten Forschung auf dem Gebiet der Photonik und Lasertechnologie. 1986 gegründet arbeiten inzwischen über 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am LZH.

Der Fokus des LZH liegt auf den Bereichen Optische Komponenten und Systeme, Optische Produktionstechnologien und Biomedizinische Photonik. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern und Maschinenbauern ermöglicht innovative Ansätze für Herausforderungen verschiedenster Bereiche: von der Komponentenentwicklung für spezifische Lasersysteme bis hin zu Prozessentwicklungen für die unterschiedlichsten Laseranwendungen, zum Beispiel für die Medizintechnik oder den Leichtbau im Automobilsektor. 17 Ausgründungen sind bis heute aus dem LZH hervorgegangen. Das LZH schafft so einen starken Transfer zwischen grundlagenorientierter Wissenschaft, anwendungsnaher Forschung und Industrie.